Frühjahrsgutachten 2020: Mieten und Kaufpreise steigen

Der Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) hat sein jährliches Frühjahrsgutachten herausgegeben. Darin wird deutlich: Die Kaufpreise für Wohneigentum steigen weiter und auch der Mietmarkt wird sicher vielerorts nicht entspannen. Politische Maßnahmen laufen ins Leere.

Frankfurts Immobilienpreise haben auch aufgrund des Brexit stark zugelegt. Ende 2018 lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine neu gebaute 3-Zimmer-Wohnung in der Altstadt bei 10.284 Euro. Das entspricht einem Wachstum von 18,1 Prozent. Bild: pexels.com.

Immobilienbesitzer freuen sich schon seit 2011 über die schnell steigenden Kaufpreise, insbesondere für Eigentumswohnungen. Doch auch Kaufinteressenten können sich über den andauernden Wertzuwachs von Immobilien freuen, da Immobilien aufgrund der aktuellen Zinslage nach wie vor als sicherste Geldanlage gelten. Entsprechend hoch ist die Nachfrage. Vor allem Eigentumswohnungen zeigen seit 2011 einen enormen Wertzuwachs, der vielerorts sogar das Wachstum von Neuvertragsmieten übersteigt. Laut Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft 2020 des ZIA stiegen die Kaufpreise in ostdeutschen kreisfreien Städten um ganze 10,7 Prozent und liegen damit aktuell bei durchschnittlich 2.070 Euro/m². Das Kaufpreiswachstum liegt damit etwas höher als in den anderen Teilen Deutschlands, wo es sich zwischen neun und zehn Prozent einpendelt. Am niedrigsten sind die Kaufpreise in ostdeutschen Landkreisen mit 1.510 Euro/m². Beinahe eintausend Euro mehr werden mit 2.470 Euro/m² in westdeutschen Landkreisen bezahlt. Die Spitzenpreise konnten 2019 mit durchschnittlich 3.380 Euro/m² in den westdeutschen kreisfreien Städten erzielt werden.

Politik ergreift Maßnahmen

„Bezahlbares Bauen und Wohnen war im vergangenen Jahr eines der großen Themen in der öffentlichen Diskussion“, fasst Dr. Andreas Mettner, Präsident des ZIA, zusammen. Die Debatte um Immobilienpreise wurde teilweise sehr emotional geführt, vor allem in Berlin. Vielerorts sorgten sich Menschen darum, dass Mieten zu schnell steigen würden und forderten die Politik zu Maßnahmen auf. „Gemeinsamer Nenner vieler dieser Maßnahmen: regulieren statt bauen – angefangen bei den Änderungen für Share Deals, über den Mietendeckel, die Mietpreisbremse, die Modernisierungskappung und die Ausübung von Erbbaurechten bis hin zu Forderungen nach Enteignungen von Immobilienunternehmen“, kritisiert Dr. Andreas Mettner. Tatsächlich stiegen die Mieten – auch ohne die entsprechenden Regulierungen – nur moderat an. Die deutschlandweite Durchschnittmiete beläuft sich laut Frühjahrsgutachten auf 8,13 Euro/m². Im Mittel wuchsen die Mietmärkte in Deutschland im Jahr 2019 um 3,5 Prozent. Die Mieten steigen damit weiterhin langsamer als die Löhne (+4,2 Prozent).

Steigende Nachfrage nach Wohneigentum

Deutlich über der Wachstumsrate von Neuvertragsmieten liegt hingegen der Anstieg der Kaufpreise für Eigentumswohnungen (+9,7 Prozent). Auf einem ähnlichen Niveau stieg auch der Wert von Ein- und Zweifamilienhäusern. Bei einem Preiszuwachs von 9,3 Prozent lag der durchschnittliche Kaufpreis im Jahr 2019 bei 2.800 Euro/m². Die hohe Nachfrage nach Wohneigentum zeigt sich vor allem im mehrjährigen Vergleich. Laut Frühjahrsgutachten haben Ein- und Zweifamilienhäuser seit 2010 durchschnittlich um 63 Prozent an Wert gewonnen. Eigentumswohnungen erhöhten ihren Wert durchschnittlich sogar um 93 Prozent. Nicht zuletzt aus diesem Grund sieht die Immobilienbranche die staatlichen Maßnahmen zur Preisregulierung kritisch. Dr. Andreas Mettner schlägt deshalb andere Lösungswege vor: „Bereitstellung von mehr Bauland, Harmonisierung der Bauordnungen, Beschleunigung von Planungs- und Baugenehmigungsverfahren und Mittelaufstockung in den Bauämtern. Der Anteil privater Akteure am Wohnungsneubau liegt bei mindestens 75 Prozent. Das heißt: Ohne privates Engagement werden wir die staatlich anerkannten Wohnungsbauziele nicht erreichen können.“ Mit 287.000 Baufertigstellungen im Jahr 2018 ist das Ziel von 350.000 bis 400.000 Wohnungen jährlich noch in weiter Ferne. Ohne ein Entgegenkommen der Politik ist aktuell nicht davon auszugehen, dass den angespannten Immobilienmärkten Erleichterung verschafft wird.

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