Grunderwerbsteuer verringert hohe Immobilienpreise

Die Grunderwerbssteuer wird fällig, wenn Immobilien den Besitzer wechseln. Seit 2006 können Bundesländer die Höhe der Steuer selbst festlegen. Die meisten Länder erhöhten daraufhin den vorher einheitlich geltenden Steuersatz von 3,5 Prozent. Mitunter sogar mehrmals. Immobilienkäufer müssen trotzdem nicht mit höheren Gesamtkosten rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt das ifo Institut in einer aktuellen Studie.

Nur noch Bayern und Sachsen erheben beim Immobilienkauf einen Grunderwerbsteuersatz von 3,5 Prozent.

Seit der Jahrtausendwende haben sich die Kaufpreise für Immobilien an vielen Orten verdoppelt oder sogar verdreifacht. Nicht einmal die Finanz-Wirtschaftskrise 2007 hat die Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland ausgebremst. Der Immobilienboom hält an und ein Ende ist nicht in Sicht. Das freut nicht nur Besitzer von Immobilien. Auch die Länder haben in den letzten Jahren von steigenden Immobilienpreisen profitiert. Die anwachsende Beliebtheit von Immobilien als langfristige Geldanlage führt zu einem regen Treiben auf dem Immobilienmarkt. Jedes Mal wenn eine Immobilie ihren Besitzer wechselt, fällt die sogenannte Grundsteuer an. Für Wohnimmobilien allein flossen im Jahr 2018 auf diese Weise 13,8 Milliarden Euro in die Kassen der Länder.

Immobilienkäufer fürchten höhere Gesamtkosten beim Immobilienkauf

Die stetig ansteigenden Einnahmen über die Grundsteuer lassen sich allerdings nicht nur mit einer höheren Anzahl von Immobilientransaktionen erklären. Seit 2006 können Länder den vorher bundesweit einheitlich geregelten Steuersatz von 3,5 Prozent selbst bestimmen. In der Folge haben die meisten Bundesländer die Grunderwerbsteuer erhöht, zum Teil mehrfach. Die höchsten Steuern erheben Thüringen, Schleswig-Holstein, das Saarland, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg mit 6,5 Prozent des Immobilienpreises. Potenzielle Immobilienkäufer fühlen sich durch die erhöhte Grunderwerbsteuer eingeschüchtert, da diese die Kaufnebenkosten immens steigert. Käufer fürchten, dass der steigende Steuersatz gemeinsam mit den steigenden Immobilienpreisen die Gesamtkosten in die Höhe treiben. Diese Befürchtung ist falsch, stellte nun das Münchener ifo Institut fest.

Höhere Steuersätze hemmen Preiswachstum

Für die jetzt veröffentlichte Studie wurden beinahe 18 Millionen Verkäufe von Wohnimmobilien im Zeitraum von 2005 bis Ende 2018 analysiert. Erhoben wurden die Daten anhand von Onlineportalen und Zeitungen. Die Forscher des ifo Instituts haben sich dabei die Frage gestellt, inwiefern die Grunderwerbsteuer die Immobilienpreise beeinflusst. Das überraschende Ergebnis: Je höher die Grunderwerbssteuer angesetzt ist, desto geringer ist das Preiswachstum. „Da die Grunderwerbsteuer von den Käufern einer Immobilie zu zahlen ist, verringert sich deren Zahlungsbereitschaft“, lautet die Begründung des Forschungsinstituts.

Immobilienverkäufer sind Leidtragende

Vor allem bei Immobilien mit einer relativen kurzen Haltedauer könnten nur geringe Aufschläge beim Weiterverkauf gemacht werden. Kritiker der Grunderwerbsteuererhöhung führten bisher an, dass viele potentielle Immobilienkäufer vom Markt verdrängt würden, da sie nicht genug Eigenkapital einbrächten, um einen Immobilienkauf abzuschließen. Üblicherweise werden die Kaufnebenkosten nicht durch eine Bankenfinanzierung abgedeckt, sodass eine höhere Grunderwerbsteuer auch eine höhere Belastung der Käufer zur Folge habe. Die Studie des ifo Instituts zeigte nun, dass sich das Preiswachstum von Kaufimmobilien und die Erhöhung der Grunderwerbsteuer in den Gesamtkosten entweder die Waage hielten oder sich das Immobilienpreiswachstums sogar verringert. Zwar müssten Käufer tatsächlich ein höheres Eigenkapital aufbringen, um eine Immobilie zu erwerben, die Gesamtbelastung sei aber gleich oder sogar geringer als bei einer niedrigeren Steuer. Als Leidtragende der höheren Steuer für Grunderwerb gibt das ifo-Institut somit nicht die Käufer, sondern die Verkäufer einer Immobilie an.

Das ifo Institut ist eine Münchener Forschungseinrichtung, die zum Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. Der gemeinnützige Verein stellt Forschungsergebnisse, Daten und Informationen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften für die Öffentlichkeit bereit. Das ifo-Institut gilt als eines der wichtigsten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Der mehrmals im Jahr herausgegebene ifo Geschäftsklimaindex ist für Politik und Wirtschaft ein wichtige Grundlage, um Konjunkturbewegungen frühzeitig zu erkennen.

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