Studie: Mehr Wohnraum durch Umbau

Dass der Wohnungsbau in Deutschland zur Deckung des Bedarfs stark gefördert werden muss, ist keine Neuigkeit. Eine neue Studie stellt nun einen ungewöhnlichen Lösungsansatz vor.

Wohnen auf einem Supermarkt? Dies könnte zur Normalität werden. (Bild: Pixabay.com)

Deutsche Mieter leiden bekanntermaßen am Wohnungsmangel. Um diesem entgegenzuwirken, müssten jährlich rund 400.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Dieses Ziel konnte bislang nicht erreicht werden – nicht zuletzt da freies Bauland in Großstädten rar gesät ist. Im Auftrag von 16 Verbänden und Organisationen der Bau- und Immobilienbranche erarbeitete die TU Darmstadt zusammen mit dem Pestel Institut aus Hannover nun die Studie „Wohnraumpotenzial in urbanen Lagen – Aufstockung und Umnutzung von Nichtwohngebäuden“, welche in Berlin vorgestellt wurde.

Enormes Potential durch Umgestaltung

Bereits 2016 präsentierten Universität und Institut eine Studie, in welcher ein Potential von 1,5 Millionen neuen Wohnungen alleine durch den Dachgeschossausbau ermittelt wurde. Dieser Gedanke wurde nun fortgeführt: Auf Parkhäusern, in leerstehenden Bürohäusern oder über Supermarkt-Flachbauten entdeckten die Forscher neue Möglichkeiten für den Wohnungsbau. Ohne zusätzliches Bauland schaffen zu müssen, könnten hier erneut rund 1,1 Millionen Wohnungen gebaut – und eine Fläche von bis zu 250 Millionen Quadratmeter eingespart werden.

Aber nicht nur die Erwerbskosten für neues Bauland würden entfallen. Es müsste weder ein Rohbau errichtet, noch die umliegende Infrastruktur ausgebaut werden. Vorhandene Leitungsnetze für Wasser und Strom bedürften nur einer Erweiterung, um die neuen Wohneinheiten an die Versorgung anzuschließen. Mit all diesen Einsparungen wäre ein solches Bauvorhaben um ein Vielfaches günstiger als ein vollständiger Neubau mit der gleichen Wohnfläche.

Vorschriften bilden größte Hürde

So einfach diese Rechnung auch erscheint, so kompliziert und kostenaufwendig gestaltet sich die Umsetzung. Zahlreiche Vorschriften wie zum Beispiel zur Baugenehmigung, Brandschutz und Energiebilanz erhöhen die Baukosten signifikant. Bei zu starken Modifikationen kann zudem der Bestandsschutz entfallen, was aufwendige technische Nachrüstungen erforderlich macht, die mit ihren eigenen Vorschriften einhergehen. Beispielsweise könnte die Errichtung weiterer Parkplätze genauso erforderlich werden wie der Einbau neuer Fahrstühle, sollte das Gebäude durch den Umbau eine bestimmte Höhe überschreiten. Auch könnten sich die Anwohner an der neuen Höhe stören, da das Gebäude nun längere Schatten werfen könnte – ganz abgesehen vom entstehenden Baulärm.

Es ist aber nicht so, dass die Forscher diese Hürden nicht in ihre Überlegungen einbezogen hätten. Die Pflicht und Verantwortung für die Förderung neuen Wohnraums liege beim Gesetzgeber. Dieser müsse vor allem alte Vorschriften wie die der Stellplatzbaupflicht neu bedenken. Da viele Menschen in Großstädten des Öfteren kein Auto besitzen, während sie mit dem Fahrrad bzw. Carsharing-Angeboten mobil bleiben, sei diese Vorschrift im urbanen Raum laut Mitverfasser Prof. Dr. Karsten Ulrich Tichelmann beispielsweise nicht mehr zeitgemäß.

Es bleibt abzuwarten, wie sich Politik und Bauwirtschaft mit diesen Ideen auseinandersetzen. Dass sich der Wohnraum in Zukunft verdichten muss, ist ohnehin Teil der Urbanisierung – daran werden sich die Nachbarn wohl gewöhnen müssen.

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