Wohnungsmarkt: Trendwende in 2020?

Auch im noch jungen Jahr 2019 werden die Immobilienpreise weiter anziehen. Dies könnte sich 2020 allerdings ändern.

Noch klettern die Preise aufwärts – was sich demnächst allerdings ändern könnte. (Bild: Pexels.com / Avinash Singh)

Die Preise auf dem Immobilienmarkt steigen pausenlos – aber wie lange noch? Zum Jahreswechsel prognostizierte Kai Enders, Vorstand von Engel & Völkers, dass der Auftrieb für den deutschen Wohnimmobilienmarkt auch im kommenden Jahr weiter anhalten wird. Dem „Wohnimmobilien Marktbericht Deutschland 2018/2019“ zufolge sollen die Preise für Eigentumswohnungen dabei um 6,4 Prozent steigen, während sich Ein- und Zweifamilienhäuser um sieben Prozent verteuern.

Transaktionsvolumen stieg vielerorts deutlich an

Diese Steigerung der Preise in zentralen Innenstadtlagen und umliegenden Regionen wird sich Enders zufolge fortsetzen, „solange die Immobilienwirtschaft die steigende Nachfrage nicht bedienen kann“. München war dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr nach wie vor die teuerste Stadt mit durchschnittlichen Kaufpreisen von 7.630 Euro/qm, jeweils gefolgt von Frankfurt (5.408 Euro/qm) und Hamburg (4.679 Euro/qm). Die bayrische Landeshauptstadt führt dabei auch mit den höchsten durchschnittlichen Objektwerten für Eigentumswohnungen (448.000 Euro; Durchschnitt in Deutschland: 253.000) und für Ein- und Zweifamilienhäusern (16 Mio. Euro).

Der höchste Umsatz in Hinblick auf den Wohnungsmarkt hingegen wurde in Berlin mit 5,7 Mrd. Euro erzielt, wo die Verkäufe mit 21.000 mehr als doppelt so hoch lagen wie im zweitplatzierten München. Dabei teilen sich beide Städte mit Hamburg, Frankfurt am Main, Köln, Stuttgart und Düsseldorf beachtliche 61 Prozent des gesamten Umsatzvolumens auf dem Wohnungsmarkt. Auch auf den Häusermarkt bezogen steht München mit 1,26 Mrd. Euro auf dem zweiten Platz, während Hamburg mit 1,67 Mrd. Euro den ersten und Berlin mit 1,21 Mrd. Euro den dritten Platz belegt.

Kleinere Städte wie Fürth, Lübeck oder Magdeburg konnten ihren Umsatz auf dem Wohnungsmarkt ebenfalls deutlich steigern. Allen voran Chemnitz, wo es zwischen 2016 und 2018 eine Verdoppelung auf 146,4 Mio. Euro (+109 Prozent) gab. Auf dem Häusermarkt erzielten Universitätsstädte wie Aachen, Bielefeld oder Konstanz ebenfalls ein deutlich höheres Transaktionsvolumen mit Steigerungsraten von jeweils 33 Prozent, 41 Prozent und 53 Prozent.

Wende in 2020?

Noch für 2019 geht der internationale Immobiliendienstleister JLL (Jones Lang LaSalle) von einem Transaktionsvolumen mit insgesamt 76 Milliarden Euro aus. Doch mit dieser Prognose äußert Vorstandschef Timo Tschammler Zweifel an einer Fortsetzung im nächsten Jahr. Denn die ab 2020 erwarteten Zinssteigerungen und sinkende Renditen könnten einen vorläufigen Höhepunkt mit anschließendem Abschwung verursachen.

„Es ist davon auszugehen, dass sich durch eine Zinserhöhung Finanzierungskonditionen verschlechtern und sich insbesondere typische Anleiheinvestoren wie zum Beispiel Versicherungen und Pensionskassen wieder verstärkt dem Anleihemarkt zuwenden, was dem Immobilienmarkt einen Teil der Nachfrage entzieht und zu sinkenden Transaktionsvolumina führen würde“, so Tschammler.

Diese Veränderung der Finanzierungsbedingungen führe zwangsläufig zu sinkenden Preisen. Doch nicht nur die Zinserhöhung, sondern auch ein allgemein eingetrübtes Geschäftsklima soll zu dieser Entwicklung beitragen. Bereits letztes Jahr fiel der Ifo-Index zwischen November und Dezember unerwartet stark von 102 auf 101 Punkte, was eine abnehmende Zufriedenheit der Unternehmen mit der aktuellen Geschäftslage bedeutet. Dass konservative Anleger momentan ihre Immobilien verstärkt veräußern, ist dabei nur weiteres Anzeichen für die Zweifel an anhaltend starken Wertsteigerungen auf dem Wohnimmobilienmarkt.

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